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#totehunde – Bericht Nr. 74 Aus Baden-Württemberg

#totehunde – Bericht Nr. 74 aus Baden-Württemberg

Beitragsserien: Berichte 2018

Einsatz vom 04.02.2018 in Baden-Württemberg

Einsatzbericht Nr. 74 von Tanja Axmann für das Team Baden-Württemberg

Sonntag, der 04.02.2018

Eigentlich wollte ich gerade gemütlich auf die Couch gehen, als ich Facebook aufmachte. Dann bin ich zufällig wieder auf den Post gestoßen, dass in Rheinstetten ein toter Hund im Wald liegt. Ich las mich durch die Kommentare und stellte fest, dass Elke und Alex verzweifelt jemanden suchten, der vor Ort fahren kann und Bilder macht. Ich schickte sofort Elke eine Nachricht, dass ich es machen kann, wenn sich niemand findet.

Alles klar, also ich fahre. Erstmal musste ich mir den genauen Lageort des Hundes erfragen, da im Post niemand wirklich wusste, wo sich der Hund genau befindet. Also habe ich die Polizei Ettlingen angerufen, da ich ja wusste, dass sie samstags mit einer Hundestaffel zusammen vor Ort waren. Der nette Mann sagte mir, dass er davon nichts wüsste, würde sich aber gerne für mich informieren. Ich soll in 30 Minuten wieder anrufen. Ok, also machte ich mich zwischenzeitlich fertig und fuhr mal los. An der Tankstelle fiel mir dann ein, dass ich ja der Finderin Marleen schreiben könnte. Bevor ich dann letztendlich wirklich los fuhr, rief ich nochmals bei der Polizei an. Und der nette Mann sagte, er rufe mich in 5 Minuten zurück. Also wartete ich erst einmal auf seinen Rückruf.

Die Finderin Marleen antwortete mir in der Zwischenzeit. Sie war etwas verstört, dass der Hund immer noch liegen soll, denn die Polizei sagte, er wird mitgenommen. Der Polizist rief in der Zwischenzeit auch zurück und gab mir die genaue Lage durch. Also Navi an und los. Dann bekam ich von Marleen die Nachricht, dass sie mir die Stelle auch zeigen kann. Ich sagte ihr, dass das klasse wäre und wir vereinbarten einen Treffpunkt. Am Treffpunkt war sie immer noch perplex, dass der Hund noch nicht geborgen wurde. Gemeinsam sind wir nun los gefahren.

An dem Parkplatz angekommen, mussten wir uns nur anschauen und jeder wusste Bescheid – es wird jetzt nicht schön werden. Wir gingen den Weg hinunter in den Wald und gleich links sah ich die Hündin sofort liegen. Mir wurde etwas flau im Magen. Der Gedanke, einen Hund im Wald abzulegen: Grauenvoll! Als wir an der Stelle ankamen sahen wir, dass eine Familie mit Kind auf uns zu kam. Ich bin dann gleich auf sie zu und bat sie, doch mit dem Kleinen einen anderen Weg zu nehmen. Sie waren sehr erstaunt. Aber ich erklärte ihnen leise warum und sofort bedankten sie sich und nahmen den anderen Weg.

Also zurück zum Hund. Dort hielten Marleen und ich erstmal ein paar Sekunden inne und ließen unserer Trauer freien Lauf. Dann ging es los: Fotos machen. Marleen bot sich gleich an mir zu helfen, was mir natürlich die Arbeit enorm erleichterte. Fotos des Hundes waren nun gemacht und an Elke versendet, um sie mit unserem Wasserzeichen zu versehen und im Team zur Recherche nach Vermisstmeldungen einzustellen.

Nun standen wir da. Was nun…? Ich sagte Marleen, ich kann ihn hier so nicht liegen lassen. Das würde mir das Herz brechen. Also begannen wir beide Sträucher und Blätter zu sammeln und haben ihn abgedeckt. Gerade als wir fertig waren fiel mir ein, dass unsere Helferin Antje bei ihrem letzten Fund auf Heidi getroffen ist. Diese habe ein Tierbestattungsunternehmen. Ich dachte: Bingo, da rufe ich an. Sie berichtete mir, dass wir, also sie und ich, uns auf dünnem Eis bewegen den Hund dort zu entfernen. Sagte aber auch sofort zu, dass sie kommt und sich den Fall einmal anschaut. Und das, obwohl sie in der Nacht einen Todesfall in der Familie hatte. Das zeigte mir, wie groß ihr Herz für Tiere sein muss.

Wir warteten knappe 20 Minuten bis Heidi kam. Gemeinsam gingen wir zum Fundort. Heidi sagte: „Den können wir hier nicht liegen lassen – auf keinen Fall. Die arme Maus kommt mit.“ Marleen und mir fiel ein Stein vom Herzen. Heidi beauftragte mich, die Polizei anzurufen und nach der Gemarkung zu fragen. Der Polizist sagte mir gleich am Telefon, dass ich mit sehr hohen Kosten rechnen muss, wenn ich den Hund mitnehme. Er meinte damit die Entsorgungskosten. Also sagte er mir, verantwortlich für diesen Bereich ist der Bauhof Rheinstetten und diese haben bereits eine E-Mail mit dem Auftrag, den Hund am Montag abzuholen. Heidi antwortete sofort: „Gib mir mal den Herrn.“ Und wir hatten riesen Glück. Denn Heidi fährt im Auftrag für eben genau diesen Bauhof raus zu Totfunden. Perfekt! Die arme Seele durfte nun ganz offiziell zu Heidi. Dort wird sie jetzt 10 Tage aufbewahrt in der Hoffnung, dass der Besitzer gefunden wird.

Mein Einsatz war damit beendet und ich bin froh, dass die Hündin nicht noch eine Nacht draußen im Wald verbringen musste. Und dass nicht noch mehr Menschen mit diesem Anblick konfrontiert wurden. Der Bauhof Rheinstetten wird nach eigener Aussage auch eine Anzeige in der Zeitung schalten, um eventuell Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Hund und seinen Besitzern zu bekommen.

Ein großer Dank geht an Heidi und ihr Unternehmen ‚Atopet Tierbestattungen‘. Und natürlich an Marleen, ohne die wir diesen Hund nicht hätten bergen können. Sie hat hingesehen und gehandelt. Das ist so wichtig.

Tanja Axmann


Nachtrag aus dem Team Öffentlichkeitsarbeit:
Bislang konnte kein Besitzer gefunden werden.
Sachdienliche Hinweise zur Herkunft des Hundes werden noch immer gerne entgegengenommen.

Fall 2018-02_01

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