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#totehunde – Bericht Nr. 96 Aus Sachsen-Anhalt

#totehunde – Bericht Nr. 96 aus Sachsen-Anhalt

Beitragsserien: Berichte 2018

Einsatz vom 10.12.2018 in Sachsen-Anhalt

Einsatzbericht Nr. 96 von Nadine Jungtorius aus dem Team Sachsen-Anhalt vom 09./10.12.2018

Am Morgen des 2. Adventsonntages sah ich im Team einen Fund vom Vortag ganz in meiner Nähe. Nach Rücksprache mit meinem Mann machten wir uns zum frühen Nachmittag auf den Weg zum Fundort. Zwischenzeitlich konnten wir Kontakt zur Originalpost-Erstellerin aufbauen, die uns die genaue Stelle präzise erklären konnte. Nach ca. 30 Minuten Fahrt haben wir den braun weißen Rauhaar-Jack-Russel-Rüden sofort gefunden. Das Auto ließen wir ein paar Meter weiter in einer Feldwegeinfahrt stehen und gingen mit Warnweste, Handschuhen und Reader zum Hund. Der Fundort genau am Straßenrand der Landstraße sprach dafür, dass er angefahren wurde. Äußerlich waren keine Verletzungen zu erkennen. Am Halsband befanden sich keine Marken. Nach ein paar Sekunden wagen Bangens beim Scannen nach einem Chip, kam zwischen den Schulterblättern das erlösende Piepsen meines Halos: der Rüde war gechippt. Ich machte einige Bilder, falls der Hund nicht registriert sein sollte und wir machten im Auto gleich eine Chipabfrage bei Tasso: Volltreffer, Hund registriert. Ich rief sofort bei Tasso an und erklärte nach einer kurzen Zeit in der Warteschleife dem netten Mitarbeiter die Situation. Er kontrollierte nochmals die Chipnummer und notierte sich den genauen Fundort. Er versicherte mir, die Besitzer zu kontaktieren und ich gab mein Einverständnis, meine Telefonnummer an die Besitzer weiter zu geben.

Gegen Abend erreichte mich nochmals eine Nachricht der Finderin, dass der Hund immer noch vor Ort liege. Also füllte ich bei Tasso das Kontaktformular der Transponderabfrage aus. Darin beschrieb ich nochmals sehr genau den Fundort, hinterlegte meine Nummer und die Emailadresse des Teams und bat um Rückmeldung, ob der Besitzer erreicht werden konnte.

Kurz nach meiner Emailanfrage, erhielt ich einen Rückruf von Tasso: Der gleiche Mitarbeiter versuchte schon seit unserem Telefonat am Nachmittag, die Besitzer zu erreichen. Er hatte zu diesem Zeitpunkt noch eine Anfrage über Facebook laufen (an den Besitzer), weil alle hinterlegten Nummern nicht mehr vergeben bzw. nicht zu erreichen waren. Tasso hatte aber keine Rückmeldung ihrer Post auf unbekannt verzogen oder ähnliches erhalten. Er würde es noch bis Feierabend weiter versuchen. Parallel dazu, würde er schonmal ein Schreiben fertig machen, welches dann Montag früh gleich rausgehen würde und er meldet sich zum Dienstende nochmal bei mir. Wenn die Facebookanfrage nicht klappen sollte, habe ich ihm angeboten, dass wir den Hund schonmal über die Straßenmeisterei sichern lassen. Zumindest, solange sie das dürfen, für ein paar Tage, damit der Besitzer eine Möglichkeit hätte, ihn abzuholen. Zum Dienstende rief der Mitarbeiter von Tasso noch einmal durch (er hatte sogar eine Stunde drangehangen, um noch mehr rauszufinden) und gab mir das Go für die Benachrichtigung der Straßenmeisterei. Die Anfrage über Facebook blieb erfolglos.

Diesen Infostand gab ich in unser Team und Remo Röhr setzte sich am Montag früh mit der zuständigen ABM Plötzkau in Verbindung. Diese bargen den Hund und es wurde vereinbart, dass wir am Mittwochmittag Rückmeldung geben, wie die Recherche seitens Tasso ausgegangen ist.

Gegen 11 Uhr rief mich mein Mann an (von seinem Handy aus hatte ich mit Tasso telefoniert), dass der Besitzer angerufen hat. Er hatte mit ihm gesprochen und erklärt, wie wir auf den Fund aufmerksam geworden waren. Der Besitzer war sehr bedrückt, aber sehr dankbar für die Gewissheit. Er wollte etwas für unsere Arbeit geben, mein Mann verwies dabei auf mich und vereinbarte mit dem Halter, dass ich zum Abend zurückrufen würde. Er hatte ihm die Fundstelle schon beschrieben, wusste aber nicht, dass die ABM bereits informiert war, den Hund zu bergen. Als ich ihm das sagte, rief er den Besitzer sofort zurück, erreichte aber nur den Anrufbeantworter.

Im Laufe des Tages erzählte mir mein Mann noch ein paar Details seines Telefonats: Der Rüde ist auf der Gassirunde am Freitagnachmittag wegen einer Fährte abgedampft. Der zweite Hund, ein Schäferhund, hatte auf den Rückruf des Halters reagiert und Kehrt gemacht, der Jack-Russel aber leider nicht. Sein Herrchen hatte ihn mehrere Stunden lang gesucht bzw. blieb er an der Stelle des Ausreißens, aber vom Rüden keine Spur. Am nächsten Morgen (Samstag) hat er nochmals probiert, ihn zu finden, wieder ohne Erfolg. Er stand mit seinem Auto an der gleichen Stelle wie wir mit unserem. Nur ca. 15 m vom Fundort weg. Der Hund war also offensichtlich wieder auf dem „Rückweg“ zum Auto gewesen. Am Samstagnachmittag/frühen Abend gab es die Fundmeldung.

Gegen 18 Uhr wählte ich dann mit einem dicken Kloß im Hals die Nummer des Besitzers. Er war relativ gefasst, aber traurig und sprach von einem Schicksalsschlag. Ich erklärte ihm, dass wir seinen Hund nicht mitnehmen durften und um sicherzustellen, dass kein Wildtier oder irgendjemand den Hund mitnehmen würde, wir die ABM informiert hatten. So habe er die Möglichkeit, seinen Hund nachhause zu holen. Ein tiefer Seufzer am Ende der Leitung verriet mir bereits, dass er es nicht übers Herz bringen würde, seinen Hund zu holen. Auch das Halsband wolle er lieber nicht zurückhaben. „Was passiert dann jetzt mit ihm?“ Ich musste schlucken und versuchte es so zu formulieren, ohne das Wort „entsorgen“ zu benutzen. Er erklärte sich einverstanden, dass die ABM den Hund nicht länger aufbewahrt. Ich bot ihm an, dass wir sofern er das möchte, die ABM darüber informieren könnten. Dieses Angebot nahm er dankend an. Er bedankte sich für unsere Arbeit und fragte, ob wir ein Spendenkonto hätten, er würde gerne etwas für unsere Bemühungen geben. Er verabschiedete sich mit den Worten „Ich hoffe, dass ihre Hilfe nicht allzu oft gebraucht wird und nochmals Danke.“

Nachtrag: Kurz nach dem Telefonat gab ich diese Info an Remo Röhr weiter. Er sagte zu, das Telefonat mit der Autobahnmeisterei zu führen, wenn auch sehr ungern, da der Besitzer seinen Hund nicht zu sich holen wollte. Ich erzählte ihm von meinem Eindruck vom Besitzer, dass er mit der Situation sehr überfordert schien, stark trauerte und eventuell am drauffolgenden Tag schon anders denken könnte. Wir einigten uns darauf, dass Remo ERST mit dem Besitzer noch einmal spricht, bevor er die ABM informieren würde. Gesagt getan und mein Eindruck war richtig: Der Besitzer hat über Nacht selbst an seiner Entscheidung gezweifelt, den Hund bei der ABM zu lassen. Remo ermunterte ihn im Telefonat, sein Familienmitglied nachhause zu holen und selbst beizusetzen. Noch am gleichen Tag holte der Besitzer seinen verstorbenen Jack-Russel nachhause.

Run free Jonny

Nadine Jungtorius für das Team Sachsen-Anhalt

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