skip to Main Content
Tote Hunde e.V. - Bundesweit im Einsatz

Für Sie vor Ort erreichbar: Unsere regionalen Ansprechpartner!

Sicherheit Bei Transporten

Sicherheit bei Transporten

Eine Checkliste für Vereine und Adoptanten

Dass Hunde ihren Besitzern entlaufen, kommt – leider – immer wieder vor. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht immer lässt sich ein Entlaufen verhindern. Oft liegt es aber auch an mangelndem Gefahrenbewusstsein: Die Sicherung des Hundes wird vernachlässigt.

Ein Bereich, der leider immer wieder traurige Meldungen produziert, sind Hunde, die – meist aus dem Ausland kommend – direkt bei der Übergabe oder kurz danach entlaufen und dann z.B. überfahren werden. Hier liegt es in der Verantwortung der vermittelnden Vereine und der neuen Hundehalter, dass die Hunde sicher und gesund in ihrem neuen Zuhause ankommen.

Dieser Artikel möchte sowohl den Vereinen, als auch den neuen Hundehaltern konkrete Hilfen geben, wie eine sichere Übergabe und die erste Zeit im neuen Zuhause zu gestalten sind.


Checkliste für Privatpersonen

Vorabinformationen

Achten Sie darauf, dass Sie vom vermittelnden Verein so umfassend wie nur irgend möglich über den ankommenden Hund, seine Eigenschaften und Besonderheiten sowie den Umgang bei der Abholung und Zuhause aufgeklärt werden.

Zu den Informationen über den Hund gehören z.B.:

  • Hat er Ängste (z.B. vor Männern, Geräuschen, Menschen allgemein, Tieren etc.)?
  • Hat er Behinderungen/Einschränkungen?
  • Wie ist der Gesundheitszustand?
  • Wie ist der Hund sozialisiert?
  • Kennt er Leine, Halsband und Geschirr?
  • Wie ist der Hund beim Transport gesichert (Halsband, Geschirr, Sicherheitsgeschirr, Transportbox)?
  • Ist er ein Ausbrecher?

Mit diesen Informationen können Sie sich darauf vorbereiten, den Hund zu übernehmen. Evtl. sind im Vorfeld der Adoption ja auch bauliche Maßnahmen (Zaun erhöhen, Löcher im vorhandenen Zaun reparieren, Eingangsbereich ausbruchssicher machen etc.) sinnvoll. Auch die vorhandene Hundeausstattung (Leinen, Halsband, (Sicherheits-)Geschirr, Körbchen usw.) sollte noch einmal überprüft werden.

Ein Halsband sollte stabil und mit gestanzten Löchern auf verschiedene Längen einstellbar sein und keine Plastikverschlüsse haben. Leinen sollten griffig sein, eine der Leinen sollte mit einem Bauchgurt verbunden sein.

Bei der Übergabe

Ein Ratschlag, der sich zwar erstmal banal anhört, aber extrem wichtig ist – Ruhe bewahren! Ein neuer Hund ist etwas Aufregendes, trotzdem sollten Sie sich bemühen möglichst ruhig und entspannt zu sein. Das hilft Ihnen und auch Ihrem neuen Hund – denn Hunde haben ein feines Gespür für menschliche Stimmungen. Lutschen Sie einen Bonbon, trinken Sie einen Schnaps (sofern Sie nicht mehr Autofahren müssen), einen Entspannungstee oder nehmen Sie Rescuetropfen – egal was, Hauptsache Sie sind ruhig und nicht hektisch bei der Übergabe.

Die Übergabe selbst sollte auf einem gesicherten / gut eingezäuntem Gelände stattfinden, keineswegs auf einem (Autobahn-)Parkplatz. Sobald alle Adoptanten eingetroffen sind, sollte das Gelände (ab-)geschlossen werden und auch solange verschlossen bleiben, bis alle Hunde an ihre neuen Besitzer übergeben und sicher verstaut sind. Keinesfalls darf es zu einem Hin und Her mit offenen Toren während der Übergabe kommen. Auch wenn Sie evtl. als Erstes Ihren neuen Hund ausgehändigt bekommen, bleiben Sie bitte so lange, bis auch der letzte Hund sicher übergeben wurde.

Erst der Papierkram

PapierkramErledigen Sie bitte immer zuerst den Papierkram (Abgleich des Mikrochips mit dem Vertrag und Ausweis, EU-Heimtierausweis, evtl. zusätzlicher nationaler Impfpass, TRACES Papiere, Schutz- oder Pflegestellenvertrag, ggf. Anleitungen zur Sicherung, Ernährung etc.) und verstauen Sie die Papiere, dann haben Sie den Kopf und die Hände frei. Kümmern Sie sich erst dann um Ihren neuen Hund, wenn Sie sich ihm voll und ganz widmen können.

Dieser sollte Ihnen dann idealerweise mit einem eng (!) sitzenden, stabilen Halsband und einem Sicherheitsgeschirr und zwei Leinen übergeben werden. Sollte das Halsband sich nicht eng genug einstellen lassen und/oder mit einem Plastikverschluss versehen sein, bestehen Sie darauf, dass Ihr mitgebrachtes Halsband angelegt wird. Ebenso, falls der Hund noch kein Sicherheitsgeschirr trägt, lassen sie ihm das mitgebrachte Sicherheitsgeschirr anlegen. Befestigen Sie dann eine Leine am Halsband und die zweite Leine am Sicherheitsgeschirr. Diese zweite Leine sollte dann auf Ihrer Seite an einem Bauchgurt befestigt werden, um ein versehentliches „Aus der Hand gleiten“ zu verhindern.

Sicherung im Auto

Sichern Sie Ihren neuen Hund auch im Auto ab, indem Sie ihn entweder in einer stabilen Transportbox transportieren oder das Geschirr mit einem Adapter am Sicherheitsgurt befestigen. Denken Sie bitte auch daran, dass Hunde schnell Leinen durchbeißen können (deshalb empfiehlt sich eine Transportbox) – vor dem Öffnen der Autotür oder Kofferraumklappe sollten Sie also sichergehen, dass der Hund auch wirklich noch gesichert ist!

Zuhause

Die ersten Tage/Wochen im neuen Zuhause bringen für Ihren neuen Mitbewohner viele Änderungen mit sich. Alles ist neu: die Umgebung, Personen und Hunde. Alles muss erst einmal entdeckt und als sicher eingestuft werden. Helfen Sie Ihrem Hund dabei, indem Sie ihm Zeit lassen und ihm anfangs viel Ruhe gönnen und jeden Stress ersparen.

Auch wenn es verlockend ist, verzichten Sie darauf, den neuen Liebling gleich der ganzen Nachbarschaft und allen Freunden und der Verwandtschaft vorzuführen – das läuft nicht weg, ganz im Gegensatz zu einem Hund, der auf so viel Aufmerksamkeit evtl. nicht vorbereitet ist.

Gehen Sie in der ersten Zeit immer die gleichen Gassirunden, damit ihrem Hund die Orientierung leichter fällt und er die Gegend erkunden und als sicher einschätzen lernt.

Zuhause sollten Sie – zumindest so lange, bis Sie sicher abschätzen können, ob Sie da einen Ausbrecherkönig bekommen haben – Türen und Fenster sichern, d.h. abschließen! Haus- und Terrassentüren sollten generell abgeschlossen werden (es gibt da ein paar Künstler, die bekommen auch Tür- und Fenstergriffe gedreht), damit niemand aus Versehen und ohne an den neuen Mitbewohner zu denken, eine Tür einfach mal so aufmacht.

Haben Sie sehr viel Besuch oder geht es bei Ihnen rein und raus wie bei einem Bienenstock, dann sollten Sie ggf. den Hund auch im Haus erstmal an der Leine führen.

Im Garten sichern

ZaunGartenbesitzer neigen meistens dazu, ihren eigenen Garten als ausbruchssicher anzusehen, das ist aber leider so gut wie kein Garten. Ein Hund, der entkommen will, findet einen Weg raus – unter dem Zaun lang, über den Zaun hinweg, durch den Zaun durch, durch ein geöffnetes Gartentor. Deshalb der Ratschlag in der Anfangszeit (so lange, bis Sie sich wirklich sicher sind, dass Ihr Hund nicht ausbrechen will) auch im Garten den Hund mit einer Leine zu sichern – das kann dann natürlich auch eine Schleppleine sein, die mehr Bewegungsfreiheit erlaubt.

Der normale Gassigang sollte natürlich auch erstmal doppelt gesichert erfolgen – also mit einer Leine am Halsband und einer Zweiten am Sicherheitsgeschirr (diese dann bei Ihnen am Bauchgurt befestigt).

Bevor Sie daran denken den Hund abzuleinen, sollten Sie 100% sicher sein, dass der Rückruf sitzt und Ihr Hund auch in außergewöhnlichen Situationen (jagdbares Wild, Katzen, lauter Knall, Angriff durch einen Menschen/Hund) abrufbar ist und zu Ihnen kommt. Ist das noch nicht der Fall, trainieren Sie den Rückruf mit Schleppleine solange, bis es klappt.


Checkliste für Vereine

Auch von Vereinsseite kann man eine ganze Menge für eine sichere Übergabe eines Hundes an die neuen Halter machen.

Das fängt bereits im Vorfeld an, indem man den Adoptanten eine ausführliche Infomappe mit allen bekannten Angaben zum Hund, mit Hinweisen zur Sicherung bei der Abholung und im neuen Heim, zu Tierarztbesuchen etc. zusammenstellt und übergibt. Sorgen Sie dafür, dass sich die Adoptanten rundum gut informiert fühlen, mit den Techniken und Gerätschaften zur Hundesicherung vertraut sind und – vor allem – auch den Sinn des Ganzen einsehen und verstehen! Die besten Infos nutzen nichts, wenn sie in den Wind geschlagen werden!

TransporteurEin besonders wichtiger Punkt, den man als Verein zu verantworten hat, ist die Auswahl des Transporteurs und damit des Fahrzeugs. Achten Sie hier bitte unbedingt darauf, dass der Transporteur korrekt arbeitet (das sollte zwar eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, aber…) und dass das von ihm verwendete Fahrzeug nicht nur die Zulassung gemäß §11 für Tiertransporte, sondern auch eine Klimaanlage im Transportbereich, eine durch Gitter gebildete Schleuse hat, die Boxen entweder fest installiert oder wenigstens verschraubbar und untereinander durch Trennwände abgeteilt sind. Auch auf die Anzahl an Tieren, die mitreisen, die Einhaltung der Lenkzeiten, regelmäßige Pausen – mit der Möglichkeit für die Tiere, sich außerhalb des Wagens in einer gesicherten Umgebung zu lösen – sollten Sie achten. Denn je entspannter die sowieso stressvolle Reise für die Hunde ist, desto besser.

Am Übergabeort

Organisieren Sie die Übergabe so, dass dort mit Sicherheit nichts passieren kann. Also: Finden Sie ein sicher eingezäuntes Gelände (an den Untergrabungsschutz, ausreichende Zaunhöhe mit Übersprungschutz und Schleusen an den Eingängen denken) und sorgen Sie dafür, dass während der Übergabe niemand das Gelände betritt oder verlässt.

Kümmern Sie sich darum, dass genügend Helfer vor Ort sind, arbeiten Sie ruhig, lassen Sie sich nicht von aufgeregten Adoptanten aus der Ruhe bringen, behalten Sie auf jeden Fall die Nerven. Erledigen Sie zuerst in Ruhe den Papierkram, bevor es an die eigentliche Übergabe der Hunde geht. Idealerweise haben Sie für jeden Hund eine eigene Mappe vorbereitet, in der alle Unterlagen geordnet enthalten sind. Kontrollieren Sie bitte im Beisein der neuen Besitzer die Chipnummer und gleichen diese mit dem EU-Heimtierausweis und dem Schutzvertrag ab.

Nehmen Sie sich unbedingt die benötigte Zeit, jedes Halsband und (Sicherheits-)Geschirr auf engen und korrekten Sitz zu kontrollieren, schauen Sie sich auch die von den Adoptanten mitgebrachten Leinen und Halsbändern an. Sollten diese unpassend sein (zu dünn, bruchgefährdetes Plastik, nicht eng genug einstellbar etc.), verleihen Sie aus Ihrem Fundus passendes Material.

Schauen Sie sich dann bitte auch die Transportsicherung der Hunde in den Autos der Adoptanten einmal an und weisen bei Bedarf auf Verbesserungsmöglichkeiten (Transportboxen, Hundegitter, Gurtadapter etc.) hin. Erst wenn alle Hunde übergeben und sicher in den Fahrzeugen untergebracht sind, öffnen Sie das Gelände wieder.

Nachbetreuung

Widmen Sie sich in der Anfangszeit auch der Nachbetreuung – melden Sie sich regelmäßig bei den Adoptanten, erkundigen sich nach den Fortschritten im neuen Zuhause und fragen Sie, wie es mit der Sicherung aussieht. Falls Sie den Eindruck gewinnen, dass die Adoptanten da etwas zu sorglos sind, sollten Sie sich die Zeit nehmen und nochmals in Ruhe die Gründe für die anfängliche, aufwendige Sicherung der Hunde erläutern.

Registrieren Sie noch vor Ankunft eines Transports alle Hunde auf Ihren Verein bei TASSO e.V. und FindeFix (ehemals Deutsches Haustierregister). Sobald der Hund dann an die neuen Besitzer übergeben wurde, können Sie die Registrierung entsprechend abändern. Wichtig ist nur, dass der Hund bereits bei der Einreise registriert ist.

Nicht registrierte Hunde die weggelaufen sind, können auch nachträglich noch registriert werden. Das erhöht dann die Chancen einen gefundenen Hund zuordnen zu können.

Notfallplan

Zuletzt: Halten Sie einen Notfallplan bereit, was zu tun ist, wenn doch ein Hund entläuft. Notieren Sie sich in dem Plan, wer als Erstes zu informieren ist (Fundbüro, Polizei, Tierheim, Jäger, Försterei, Tierärzte, Haustierregister, Suchgruppen bei Facebook etc.), wer Ansprechpartner für die Suche ist, ob und wo Plakate aufgehängt werden sollen, wer evtl. Futterstellen einrichten und betreuen kann, wo es Lebendfallen zu leihen gibt etc.


Danke

Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, diesen wirklich langen Text zu lesen. Mit den enthaltenen Tipps wird es hoffentlich für Alle eine entspannte und sichere Übergabe und eine schöne Zeit im neuen Zuhause geben. Denn eines möchten wir doch alle erreichen: Den Hunden eine bessere Zukunft bereiten!

Über Anregungen, Ergänzungen oder Verbesserungsvorschläge freuen wir uns.

Kommentar verfassen

Back To Top