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#totehunde – Bericht Nr. 108 Aus Berlin

#totehunde – Bericht Nr. 108 aus Berlin

Beitragsserien: Berichte 2019

Einsatz vom 15.02.2019 in Berlin

Einsatzbericht Nr. 108 aus dem Team Berlin/Brandenburg vom 15.02.2019

Der wohl bisher traurigste und nervenaufreibendste Einsatz für mich, der gleichzeitig sowohl dramatisch und zum Heulen, als auch voll Erleichterung und zumindest einem Happy End war. Ich musste lange überlegen, ob und wie ich die Geschehnisse beschreiben soll.

Es ist Dienstag der 5. Februar. Kurz vor 16 Uhr bekomme ich einen Screenshot zugesandt, aus dem zu entnehmen ist, dass sich an einem S-Bahnhof in Berlin scheinbar ein verletzter Hund auf den Gleisen befindet. Sofort versuche ich Kontakt zu der Posterstellerin herzustellen, um sie zu bitten, ihren Post zu entfernen, um keine Menschen in Gefahr zu bringen, die das lesen und kopflos auf die Gleise rennen könnten. Da es sich um einen noch lebenden Hund handelt, ist das Risiko besonders groß, dass sich jemand in Gefahr begibt, um ihn zu retten. Irgendwie bin ich froh, nicht vor Ort zu sein, denn für mich ist der Gedanke absolut nachvollziehbar, einfach auf die Gleise zu gehen, um den Hund zu retten. Vor allem, wenn es einem so unglaublich schwer gemacht wird, offizielle Hilfe zu erhalten, wie sich später herausstellt. Aber natürlich muss ich um jeden Preis verhindern, dass tatsächlich jemand seinem Impuls folgt und im schlimmsten Fall ein Mensch zu Tode kommt.

Ich telefoniere mit der Melderin, sie beschreibt mir kurz den genauen Ort und ich versuche, direkt Kontakt zur Bundespolizei aufzunehmen. Nachdem das ohne Erfolg bleibt, wähle ich den Notruf und schildere dort die Lage. Sie geben es weiter und die Bundespolizei werde sich kümmern.

Leider gibt es im Folgenden einige Missverständnisse oder Fehler beim Übermitteln, denn die Bundespolizei geht davon aus, dass sich das durch sie alarmierte Bahnpersonal kümmert. Die Zuständigkeit wird jedoch hin und her geschoben und niemand fühlt sich verantwortlich. Bis alles in die Gänge kommt, vergeht viel Zeit, doch wir bleiben dran. Letztendlich findet Sylwia, die Melderin, den Hund nach ihrem Feierabend noch immer an den Gleisen vor, sodass ich sie bitte, direkt mit der Bundespolizei zu sprechen. Sie hat Glück und erreicht einen sehr kompetenten und engagierten Beamten, der sofort alle Hebel in Bewegung setzt. Es vergeht noch weitere Zeit, bis sich das richtige Fahrzeug für den Transport findet und der Hund geborgen werden kann. Doch dank der Beharrlichkeit von Sylwia, die bis zum Schluss vor Ort bleibt, kann der Rüde schwer verletzt, aber lebend, gerettet werden. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an die Beamten vor Ort, die so eine Situation sicher auch nicht täglich erleben und durch ihr beherztes Eingreifen Schlimmeres verhindern können.

Sylwia schickt mir ein Foto und sofort wissen wir, es handelt sich um den seit einer Woche vermissten American Staffordshire Terrier Mix, der tragischerweise nicht allein, sondern mit der Hündin der Familie zusammen entlaufen ist. Wir haben einen Kloß im Hals – sollte sich die Hündin auch noch dort befinden? Lebend? Tot? Ebenfalls schwer verletzt? Es ist bereits dunkel und man kann vor Ort nichts mehr erkennen. Wir informieren natürlich den Besitzer, der einerseits erleichtert, aber verständlicherweise auch sehr besorgt ist. Zumal von der Hündin noch weiterhin jede Spur fehlt.

Der verletzte Hund muss mehrfach operiert werden, aber er überlebt. Erleichterung. Es vergehen einige Tage. Jeder aus unserem Team, der dort in der Gegend unterwegs ist, hält die Augen nach der Hündin offen. Auch die Melderin ist häufig dort unterwegs und sucht alles ab. Uns lässt der Gedanke nicht los, dass die beiden zusammen geblieben sind und die Hündin ganz in der Nähe sein muss. Ina, unsere Bahnbeauftragte, nimmt Kontakt zur Leitstelle der DB auf und bittet darum, in diesem Bereich besonders auf eingehende Meldungen zu achten und uns ggf. zu informieren. Aber das und eine Absuche des Nahbereichs bleiben vorerst erfolglos. Trotzdem – ein riesen Dankeschön an die DB für die Unterstützung.

Dienstag der 12. Februar. Genau eine Woche später. Anruf von Ina – die DB hat einen toten Hund gemeldet bekommen, Ort passt, Beschreibung passt. Meine Hoffnung, die Hündin lebend zu finden, schwindet. Ich habe Zeit und fahre mit Vanny von „Entlaufene Hunde Berlin Brandenburg“ direkt dort hin, wo uns Herr H. von der Deutschen Bahn bereits erwartet. Er geht mit mir in die Gleise und wir laufen zum Kilometer, wo der Hund liegen soll. Wir finden ihn nicht sofort, laufen mehrmals hin und her und sind nach 20 Minuten Suchen ratlos. Nach zwei weiteren Telefonaten finden wir schließlich doch die richtige Stelle – vielen Dank an Herrn. H., dass er geduldig mit mir eine halbe Stunde den Hund gesucht hat.

Ich sehe schon von Weitem, dass es sich um die Hündin handelt. Kurz denke ich noch darüber nach, ob sie eventuell auch noch leben könnte, doch der Gedanke verfliegt leider schnell. Zur Sicherheit lese ich einen Chip aus, auch die Chipnummer stimmt überein. Sofort teile ich dem Besitzer die traurige Nachricht mit und bin selbst sehr bestürzt, über den Ausgang dieser Geschichte. Ich erkläre ihm die Möglichkeiten und er möchte seine Hündin nach Hause holen. Dafür gebe ich ihm die Telefonnummer des DB-Mitarbeiters und mein Teil der Arbeit ist somit erledigt. Wir verlassen das Gleis und ich fahre nach Hause.

Du hattest nicht so viel Glück wie dein Freund, kleine Hündin. Immerhin haben deine Menschen jetzt Gewissheit. Wie wir vermutet haben, wart ihr bis zum Ende zusammen.

Run free – Den Besitzern viel Kraft und gute Genesung für den Geretteten, wir hoffen, dass alle Beteiligten die Erlebnisse verarbeiten können.

Joline Winter
Tote Hunde e.V.

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