skip to Main Content
Tote Hunde e.V. - Bundesweit im Einsatz

Für Sie vor Ort erreichbar: Unsere regionalen Ansprechpartner!

#totehunde – Bericht Nr. 85 Aus Berlin

#totehunde – Bericht Nr. 85 aus Berlin

Beitragsserien: Berichte 2018

Einsatz vom 26.08.2018 in Berlin

Einsatzbericht Nr. 85 von Petra Drescher und Ariane Senske aus dem Team Berlin /Brandenburg vom 26.08.2018

Petra:
Sonntag – mal Mittagsschlaf machen. Denkste!

Gegen 13 Uhr weckt mich eine WhatsApp-Nachricht meiner Freundin: Toter Hund im Gleis, sofort bin ich hellwach. Ich bin gerade dabei, die Nummer der Deutschen Bahn zu suchen, da klingelt schon mein Handy – die DB gibt mir Meldung: Toter Hund im Gleis, Nähe Schöneweide. Ich bespreche alles Weitere mit der Bahn – wie, was, wo. Wir vereinbaren einen Rückruf in einigen Minuten. In dieser Zeit klärt die Bahn die Bergung und ich kontaktiere Joline, damit wir jemanden suchen können, der diesen Einsatz übernimmt.

Ariane hat Zeit und erklärt sich bereit zu übernehmen. Beim erneuten Gespräch mit der Bahn wird die Einsatzzeit und der weitere Kontakt zu dem Bergungspersonal hergestellt. Dieser Fall wird uns den ganzen Tag beschäftigen. Während Ariane den Einsatz fährt, beginnt im Hintergrund die Recherche. Im Vorfeld sei schon einmal gesagt, dass der Besitzer noch am gleichen Tag gefunden wurde und die Telefonate mit ihm sehr emotional waren.

Den weiteren Einsatz schildert ab hier unser Teammitglied Ariane.

Petra Drescher für den Tote Hunde e.V.
—-

Ariane:
Am Sonntagmittag habe ich von Joline einen Anruf bekommen: Ein großer schwarzer Hund liegt im Gleis bei Schöneweide. Ich rief den netten DB Mitarbeiter an und machte einen Treffpunkt und eine Uhrzeit aus.

Treffpunkt war der S-Bahnhof Baumschulenweg, der Hund sollte auf den Gleisen Richtung Schöneweide liegen, also im Gefahrenbereich. Am Ende des Bahnhofs sahen wir ihn auch zwischen den Gleisen liegen: Ein großer schwarzer Berg. Wir zogen unsere Warnwesten an, bekamen eine Rückmeldung, wann wir auf die Gleise dürfen und haben den Hund geborgen. Leider gab es keine Möglichkeit, den Hund außerhalb des Gefahrenbereichs abzulegen, so mussten wir den Hund dort, aber abseits der Gleise zwischen zwei Stromkästen ablegen. Ich bedankte mich bei den Mitarbeitern und machte mich mit ihrer Erlaubnis an die Arbeit.

Ich schaltete meinen neuen Chipreader ein – der Akku war schwach. Ärgerlich! Den Reader hatte ich erst vor kurzem gekauft, aufgeladen und an mehreren Hunden getestet. Ich scannte den Hund trotzdem beidseitig zwei Mal. Der Reader fand keinen Chip. Ich untersuchte den Hund eingehend, es war eine große schwarze Hündin mit brauner Unterwolle, das Fell war eher länger, sie hatte Stehohren, war 30-40 kg schwer, wahrscheinlich ein Mix aus Schäferhund und Retriever. Sie trug ein rot-schwarzes Geschirr ohne Marken oder Ähnlichem, hatte weißen Zehenspitzen an den Hinterpfoten und an der Vorderpfote innen einen weißen Fleck, der ca. die Größe einer Zwei-Euro-Münze hatte. Die Verletzungen deuteten auf einen Zusammenstoß mit der S-Bahn hin und die Totenstarre darauf, dass der Hund 2-12 Stunden tot war.

Alle paar Minuten musste ich die Hündin bedecken, da eine S-Bahn in den Bahnhof einfuhr. Ich machte noch Fotos und wickelte die Hündin in Tüten und in eine mitgebrachte Decke. Im Hintergrund wurden das Tierheim und der Tasso e.V. informiert, ich rief bei mehreren Polizeidienststellen an. Kein Hund mit der Beschreibung war als vermisst gemeldet. Zuhause angekommen, wurde ich von Petra informiert: Der Besitzer hatte sich gemeldet, den Kontakt zu uns hatte er über das Tierheim bekommen. Seine Hündin ist am Abend zuvor bei einem Feuerwerk panisch davon gerannt, er hatte sie die ganze Nacht vergeblich gesucht. Meine Nummer wurde an ihn weitergegeben, denn ohne Begleitung hätte er den Hund nicht gefunden und auch nicht aus dem Gefahrenbereich holen dürfen. Leider war der Besitzer so geschockt, dass er mehrere Stunden brauchte, um sich zu melden. Seine erste Frage war: „Hast du den Chip gefunden?“ Da ich keinen Chip gefunden hatte, aber sicher gehen musste, dass es sein Hund war, fragte ich ihn behutsam über seine Hündin aus – vom Geschirr bis zum weißen Fleck an der Pfote stimmte seine Beschreibung.

Der Besitzer hatte kein Auto, wollte seinen Hund aber unbedingt abholen. Da ich die Befürchtung hatte, dass er auf die Gleise geht, wenn ich ihm den genauen Fundort mitteile, schickte ich ihn zum Bahnhof Schöneweide, ich selber fuhr nach Baumschulenweg, dort traf auch Joline ein. Wir warteten auf den Anruf und ich schickte den Besitzer eine Station weiter zu uns. Joline scannte noch einmal schnell die Hündin und fand den Chip. Manchmal geht der Chip kaputt, wenn der Hund die Stromtrasse berührt, hier war wohl mein akkuschwacher Reader schuld.

Nachfolgendes war sehr emotional: Der Besitzer stand deutlich neben sich, glaubte bis zum letzten Moment wohl nicht, dass dort seine Hündin lag. Joline, der Besitzer, sein Freund und ich zogen Warnwesten an und gingen zum Hund. Der Besitzer deckte seinen Hund auf und brach zusammen. Sein Freund tröstete ihn, es war schwer, die Fassung zu wahren, wir ließen den Besitzer eine Weile trauern. Leider mussten wir dann beide relativ schnell bitten, die Hündin außerhalb des Gefahrenbereiches zu tragen. Wir halfen dabei, die Hündin einzuwickeln, Joline gab ihm ihre Telefonnummer für eventuelle Fragen zu Bestattungsmöglichkeiten, wir verabschiedeten uns und fuhren nach Hause. Ich hoffe, der Besitzer fand eine Möglichkeit, seiner Hündin die gewünschte letzte Ruhestätte zu geben!

PS: Der Reader hat ein neues Ladegerät bekommen, wurde noch mal getestet und ist funktionstüchtig.

Ich bedanke mich für die Zusammenarbeit bei Petra und Joline, für die Hilfe von den netten DB-Mitarbeitern und für die Auskunft der Polizeiwachen.

Ariane Senske für den Tote Hunde e.V.

Kommentar verfassen

Back To Top