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#totehunde – Bericht Nr. 97 Aus Rheinland-Pfalz

#totehunde – Bericht Nr. 97 aus Rheinland-Pfalz

Beitragsserien: Berichte 2018

Einsatz vom 11.12.2018 in Rheinland-Pfalz

Einsatzbericht Nr. 97 vom 11.12.2018 aus unserem Team Rheinland-Pfalz

Ich war noch auf der Arbeit, als mein Handy klingelte und die Autobahnmeisterei Heiligenroth im Westerwald anrief.

„Guten Tag, Frau Bungert. Wir haben einen toten Hund auf der A 48 in Bendorf gefunden. Er trägt ein Halsband mit Steuermarke“. So begann das Gespräch und ich machte mir sofort Notizen und erfragte Details. Der nette Herr am anderen Ende der Leitung gab mir die Nummer der Marke durch und versprach mir, mir vorab ein Foto des Hundes via Mail zukommen zu lassen. Wir verblieben so, dass ich zuerst versuche, über die Steuermarke mehr zum Besitzer zu erfahren und vereinbarten einen Termin nach meinem Feierabend, um einen eventuell vorhandenen Chip auszulesen – doch dazu sollte es gar nicht mehr kommen.

Ich rief also bei der, auf der Marke benannten, Stadtverwaltung an, stellte mich kurz vor und schilderte mein Anliegen. Doch zuerst einmal Enttäuschung – die Steuernummer ist nicht in der aktuellen Liste, was auch immer das bedeutete. Doch er gab nicht so schnell auf und zack – Treffer. Der Hund war gemeldet auf einen 100 km entfernten Ort in NRW.

Ich ließ mir die Halterdaten geben und rief unverzüglich bei der hinterlegten Nummer an, doch mir blieb leider nur die Unterhaltung mit dem Band. Kurz erklärte ich, dass ich um einen dringenden Rückruf bitte, da wir einen Fundhund hätten und fragte vorsichtig nach, ob dieser bereits von der Halterin vermisst wird. Ich hinterließ meine Mobilnummer.

In der Zwischenzeit durchforsteten die beiden anderen Teamleiter aus Rheinland-Pfalz, Nastasia und Brigitte, das Netz nach Vermisstmeldungen und ich versuchte telefonisch mein Glück bei Tasso. Doch diese Suche blieb leider erfolglos.

Der sehnsüchtig erwartete Rückruf blieb aus und so machte ich mich nach Dienstende auf den Weg zur 50 km entfernten Autobahnmeisterei im Westerwald. Ich fuhr gerade auf das Gelände und parkte ein, als mein Handy erneut klingelte. „Hallo Frau Bungert. Der Besitzer ist gerade in unserem Büro eingetroffen.“ Ich sammelte mich kurz und kündigte meinen, in Kürze bevorstehenden, Besuch an. Ich habe schon viele tote Hunde und Katzen gesehen. Es tut mir leid um jedes verunglückte Tier, dennoch ist eine Identifizierung mittlerweile Routine und ich schaffe es, einen Schalter im Kopf umzulegen, um meine Dienste vor Ort am tot aufgefundenen Hund mit einem gewissen Abstand durchführen zu können – Scheuklappen zum Selbstschutz, so würde ich es beschreiben. Was mich aber emotional aus der Bahn wirft, ist ein Kontakt zu den trauernden Besitzern verunglückter Tiere. Wenige Minuten darauf betrat ich das Büro.

Drei Herren waren anzutreffen und ich begrüßte zuerst die beiden Mitarbeiter der Autobahnmeisterei. Auf einem Stuhl saß ein etwas älterer Mann mit gesenktem Kopf, der das Halsband des verunglückten Hundes in der Hand hielt. Zuerst gab ich ihm nur meine Hand und sah ihm in seine Augen, die mit Tränen benetzt waren. Dann nahm ich ihn in den Arm und er begann zu sprechen.

Er befand sich derzeit in seinem Zweitwohnsitz unweit des Unfallortes. Benni, ein 2 Jahre alter Beagle, hatte sich unter dem Zaun des hauseigenen Grundstücks durchgebuddelt und lief direkt auf die angrenzende Autobahn. Er muss von einem LKW erfasst worden sein, so die Vermutung des Mitarbeiters der Meisterei. Es gab zum Glück keine wissentlichen wirtschaftlichen Schäden und auch Personen wurden nicht in Mitleidenschaft gezogen. Der Besitzer erzählte unter Tränen, dass er erst kürzlich seine Frau verloren hatte und Benni das Einzige war, was ihm noch blieb – mir stockte der Atem und ich bekam kaum mehr einen Ton raus.

Wir verharrten noch ein paar wenige Minuten im Büro und ich bedankte mich abschließend für die Meldung des Fundes durch die Mitarbeiter der Autobahnmeisterei.

Ein letztes Mal sprach ich dem Besitzer mein Beileid zu den traurigen Verlusten von seiner Frau und seinem Hund aus, bot ihm Hilfe bei der Bestattung an und ging sichtlich berührt zurück zu meinem Auto.

Benni wird seine letzte Ruhestätte im Garten des Besitzers erhalten.

Alexandra Bungert für den Tote Hunde e.V.

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