skip to Main Content
Tote Hunde e.V. - Bundesweit im Einsatz

Für Sie vor Ort erreichbar: Unsere regionalen Ansprechpartner!

#totehunde – Bericht Nr. 36 Aus Berlin

#totehunde – Bericht Nr. 36 aus Berlin

Beitragsserien: Berichte 2017

Einsatz vom 14.04.2017 in Berlin

In Gedenken an Banjo

Heute haben wir einen ganz besonderen Einsatzbericht aus dem Team Berlin / Brandenburg, welcher unsere traurige Arbeit von allen Seiten sehr ausführlich aufzeigt. Er besteht aus drei Texten, jeweils von den Beteiligten selbst verfasst und einem Foto, welches uns die traurige Besitzerin von Banjo zur Verfügung gestellt hat.

Einsatzbericht Berlin 14.04.2017

Marika – die Finderin

Ich wurde am Freitag, den 07.04.2017 gegen Nachmittag von einer lieben Freundin angerufen. Sie erzählte mir, dass sie morgens in einem Gebüsch einen toten Hund in einer Plastiktüte entdeckt hätte. Sie hatte schon verschiedene Anlaufstellen kontaktiert, aber weder das Ordnungs- oder das Veterinäramt, noch das Bürgertelefon fühlten sich für den kleinen Kerl zuständig.

Deshalb bin ich nach Feierabend zum Fundort gegangen und habe mit Hilfe meines Freundes den Hund samt Plastiktüte aus dem Gebüsch gezogen. Dann hat mein Freund die Plastiktüte zerrissen, damit wir den Hund fotografieren konnten. Danach kontaktierte ich die Polizei. Es kam ein Streifenwagen, jedoch fühlten sich auch diese Beamten nicht zuständig.
Danach schrieb ich „Tote Hunde e.V. Team Berlin Brandenburg“ an. Hier wurde mir von den empathischen, hilfsbereiten Mitgliedern sofort geholfen. Gleich am nächsten Tag konnte der kleine Kerl durch die lieben Menschen im Verein identifiziert werden und das Frauchen konnte sehr schnell ermittelt werden. So konnte sie endlich von ihrem geliebten Vierbeiner Abschied nehmen.

Für mich persönlich war sowohl die Geschichte des Hundes, als auch der Verlauf der Ermittlungen sehr bewegend.

Liebes Frauchen von Banjo,
ich möchte Ihnen mein tiefstes Mitgefühl aussprechen.
Es muss sehr schwer sein, nach einer langen Suche so eine schreckliche Nachricht zu erhalten.
Ich wünsche Ihnen ganz viel Kraft in der nächsten Zeit!

Marika

Banjo

Banjo

Melanie – Vereinsmitglied Tote Hunde e.V.

Am 08.04.2017 hatte ich eigentlich einen Termin, den ich aber wegen des toten Fundhundes dann abgesagt habe, da niemand anderes Zeit hatte, um bei dem Hund den Chip auszulesen. Ich packte also gegen Nachmittag meine Utensilien, schnappte mir meine Freundin und dann fuhren wir los zum Fundort. Joline hatte mir am Telefon beschrieben wo der Hund ungefähr liegt. Ich brauchte auch nicht lange suchen, denn man roch schon sehr bald den intensiven Verwesungsgeruch.

Er war schon mit Gestrüpp abgedeckt worden und ich legte ihn mir wieder frei. Erstmal versuchte ich das Geschlecht zu bestimmen und stellte einen Rüden fest. Der Anblick und der Geruch waren wirklich furchtbar. Dann scannte ich erst rechts ab, da er auf der linken Seite lag. Nix. Also musste ich ihn umdrehen, was wirklich sehr schwierig war aufgrund des Zustandes. Aber links hatte ich dann einen Chip gefunden. Ich informierte Joline, damit sie eine TASSO Abfrage startet. In der Zwischenzeit versuchte ich mit Hilfe meiner Freundin den Hund in einen Sack zu bekommen… leider erfolglos, er war schon zu stark verwest. Ich bin ja echt abgehärtet, aber das war etwas zu heftig.

Joline informierte mich dann kurz darauf, dass er als vermisst gemeldet war. Ich deckte den Hund dann wieder so gut wie möglich und erkennbar ab.

Mein Part dieses traurigen Falles war erledigt und ich ging mit gemischten Gefühlen wieder zum Auto. Es ist bei jedem Einsatz immer wieder sehr traurig, aber auch befriedigend, einem verzweifelten Besitzer Gewissheit geben zu können.

Melanie Jobs

Joline Winter – Vereinsmitglied Tote Hunde e.V.

Ein Fall, der mir mal wieder gezeigt hat, dass nicht immer alles ist, wie es auf den ersten Blick scheint und der mich darin bestärkt hat, weiterhin für unser Ziel zu kämpfen – damit kein Hund ohne Namen bleibt.

Am 07.04.2017 erhielten wir bei Facebook die Nachricht, dass in Karlshorst, fast an der selben Stelle, wie einige Wochen zuvor der Schäferhund, ein toter Hund in einer Tüte aufgefunden wurde.

Die Finderin Marika gab an, dass der Hund fast komplett in der Tüte steckte, welche zugebunden war und sie diese, um Fotos machen zu können, zerriss.

Sie erkannte einen kleinen, mopsartigen Hund, doch eine genaue Rassenbestimmung war aufgrund des Zustandes nicht mehr möglich. Nachdem sie in unsere Arbeitsgruppe eintrat und wir einige erste Informationen sammelten, waren wir relativ schnell der Meinung, dass jemand seinen verstorbenen Hund entsorgt hatte.

Da es bereits Dunkel wurde und der Hund mehr oder weniger versteckt im Gebüsch lag, vertagten wir die Begutachtung.
Gegen 8 Uhr des nächsten Morgen rief mich ein Hundebesitzer aus Karlshorst an, der von dem Fall mit dem Schäferhund meine Nummer hatte und nun ebenfalls den Hund entdeckt hatte und uns informieren wollte. Ich sagte ihm, dass wir bereits davon wissen und bedankte mich für den Anruf. Leider hatte niemand von uns am 08.04.2017 Zeit, sodass ich mich mit Nicole für den 09.04.2017 verabredete, um gemeinsam zum Fundort zu fahren.

Im Laufe des Tages wurde ich auf einen Post in einer regionalen Gruppe aufmerksam, wo von dem Totfund die Rede war und dass sich mal wieder niemand zuständig fühle, sich dessen anzunehmen. Ich kommentierte, dass der Verein Tote Hunde e.V. den Fall bearbeitet und bat darum, den Hund vorerst liegen zu lassen.

Am Nachmittag des 08.04.2017 rief Melanie mich an, dass sie einen Termin verschieben konnte und sofort kommen könnte. Wir waren uns einig, je schneller, desto besser. Zumal der Fall immer mehr Aufsehen erregte.
Kurz nach ihrem Eintreffen erhielt ich von ihr die Nachricht – der Hund ist gechipt. Niemand von uns hätte damit gerechnet. Ich kontaktierte den TASSO e.V. und gab die Chipnummer durch. Tatsächlich war der Mopsmischling namens Banjo registriert und seit November 2016 als vermisst gemeldet.

Nachdem ich mich von der Tasso Mitarbeiterin verabschiedet hatte, wartete ich, wie immer mit einem mulmigen Gefühl, auf den Anruf des Besitzers. Egal wie oft man das macht, es ist jedes Mal aufs Neue schrecklich, diese Nachricht überbringen zu müssen und die Geschichte zu hören, die hinter dem einst namenlosen Hund steckt.
Wir telefonierten eine Weile und die Besitzerin erzählte mir, dass Banjo im November aus der Urlaubsbetreuung verschwand. Er wurde vor einem Laden angebunden und von dort vermutlich gestohlen.

Nachdem sie selbst beim Fundort war, bat sie uns, dass wir uns darum kümmern, dass Banjo abgeholt wird. Es gab die Möglichkeit, die Deutsche Bahn zu kontaktieren, damit sie eine Entsorgung veranlassen. Doch da der Hund nun einen Namen hatte, wollten wir der Besitzerin die Möglichkeit geben, dass er eine Bestattung bekommt.

Am Morgen des 09.04.2017 kontaktierte Petra das Portaleum, eine Tierbestattung und organisierte, dass Banjo abgeholt und eingeäschert wird. Ich verabredete mich mit der Besitzerin, damit sie mir das Geld übergeben konnte, weil sie nicht noch einmal zum Fundort wollte.
Kurze Zeit nachdem alles in die Wege geleitet war, erhielt ich die Nachricht von der Finderin, dass der Hund weg ist.
Wir mussten alles wieder abblasen und der Besitzerin mitteilen, dass wir ihr doch keine Bestattung für Banjo ermöglichen können. Ich telefonierte noch einmal lange mit ihr und als kleiner Trost überlegten wir, dass sie ein Halsband und ein Foto vergraben könnte, an einer Stelle, wo sie häufig mit Banjo war.
Zwar wurde Banjo nun doch abgeholt, aber zum Glück waren wir rechtzeitig vor Ort.

Das hat mir wieder einmal deutlich gemacht, dass man nicht immer auf seinen ersten Instinkt hören sollte und es sich in jedem Fall lohnt, zu schauen, was dahinter steckt.

Wir konnten einem weiteren Besitzer die Ungewissheit nehmen und das auch nur, weil Melanie glücklicherweise am 08.04.2017 doch noch Zeit hatte, einen Chip auszulesen.

Joline Winter
Tote Hunde e.V.

Damit kein Hund ohne Namen bleibt!

Kommentar verfassen

Back To Top